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11.10.2018 | 20:50 Uhr

Rheinische Post: Der Papst muss eher Seelsorger sein Kommentar Von Martin Kessler

Düsseldorf (ots) - Die Haltung der katholischen Kirche zur
Abtreibung ist eindeutig. Sie ist Unrecht. Päpste und Bischöfe
vertreten diese Haltung mit großer Vehemenz und scheuen sich nicht,
sie als Mord zu verdammen. Jetzt nennt Papst Franziskus sie sogar
Auftragsmord. Manchmal wünscht man sich, die gleiche Wucht in der
Sache, nicht in der Wortwahl hätte die Kirche beim massenhaften
Missbrauch in den eigenen Reihen an den Tag gelegt. Dass Abtreibung
Unrecht ist, sagt auch der deutsche Gesetzgeber. Aber er ist klug
genug, das nicht wie ein Verbrechen zu verfolgen. Denn in den meisten
Fällen sehen sich Frauen dazu genötigt, weil sie keinen anderen
Ausweg mehr sehen. Werdendes Leben zu zerstören, fällt niemandem
leicht. Und auch die mitbeteiligten Männer tragen große
Verantwortung. Wenn die Kirche ihren Einsatz für das Leben ernst
nehmen will, muss sie sich auf ihre helfende Rolle besinnen. Auch der
Papst ist zuerst Seelsorger. Im Sinne der Verantwortungsethik, die
anders als die Gesinnungsethik die Begrenztheit der Menschen
anerkennt, muss er sich dafür einsetzen, die Zahl der Abtreibungen zu
vermindern. Das unnötige Wort des Auftragsmords hilft da wenig.



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