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18.10.2020 | 19:09 Uhr

Drei Männer und ein Problem / Merz, Laschet und Röttgen vernachlässigen im Kampf um den CDU-Vorsitz die Frauenfrage. Von Christine Straßer

Regensburg (ots) - Friedrich Merz ist ja nicht irgendwer. Er gilt als Fürsprecher der Wirtschaft und wortgewandter Debattenredner. Er hat nicht nur politische Talente, sondern auch politische Anhänger. Es wäre übertrieben, von einer Hausmacht in der CDU zu reden. Aber Merz genießt große Wertschätzung. Trotzdem teilt er mit seinen Mitbewerbern um den Parteivorsitz, Armin Laschet und Norbert Röttgen, ein Problem: Keiner aus dem Trio schafft es, eine größere Energie zu vermitteln. Sie sind ein ziemlich freudloser Herrenclub. Das hat am Wochenende auch die Befragung der Bewerber bei der Jungen Union gezeigt. Merz, Laschet und Röttgen fehlt ein Versprechen, eine konservative Perspektive. Ist die Wahl eines Mannes aus diesem Trio also der falsche Schritt für die CDU? Nein, so kann man das nicht sagen. Es ist schlimmer: Hier marschiert eine rückwärtsgewandte Parade. Die programmatische Erneuerung der Partei kann so nicht gelingen. Dabei stellen sich wichtige Fragen immer drängender. Wo ist die soziale Dimension des "C" im Parteinamen? Wo sind die Werte? Und wie soll sich in der Union die Rolle der Frauen entwickeln? Wie gewinnt die Partei die jungen, weiblichen Wähler? Ein Blick auf die drei Kandidaten offenbart, dass Röttgen der Einzige ist, der diese Herausforderung gerade heraus anspricht. Aber er hat nicht wirklich eine Chance, neuer Parteivorsitzender zu werden. Laschet wiederum wirkt, obwohl er als Ministerpräsident an den Hebeln der Macht sitzt, durchsetzungsschwach. Er redet viel, aber vermittelt nicht den Eindruck eines Entscheiders. Merz hingegen torpediert sich vor allem selbst. Er verfügt zweifellos über wirtschaftlichen Sachverstand. Aber wer ihm zuhört, der ahnt schnell, dass er, wenn er Wirtschaft sagt, vor allem Kapital meint. Geradezu verstörend ist jedoch seit seiner Rückkehr aufs politische Parkett von der ersten Pressekonferenz an, wie schlecht er das politische Wahlkampf-Spiel beherrscht. Statt für kritische Fragen gewappnet zu sein, reagiert er oft unsouverän. Er müsste doch wissen, dass es normal ist, als Kandidat auf dem Prüfstand zu stehen? Selbst auf Fragen nach seinem früheren Aufsichtsratsposten bei dem Finanzkonzern Blackrock, reagiert er angefressen, nahezu bockig. Dabei ist so eine Frage doch nun wirklich Standard in jedem Bewerbungsgespräch eines beliebigen Unternehmens. Als großes Manko gilt bei Merz aber insbesondere, dass er die Frauen nicht für sich begeistern kann. Vor allem an der Frauenfrage wird sich die Zukunft der Partei entscheiden. Für Frauen als Partei interessant zu sein, bedeutet zunächst einmal, Frauen aufzustellen. Aber eigentlich geht es um mehr: eine Vorstellung, wie die künftige Gesellschaft aussehen soll. Wenn die CDU eine Volkspartei bleiben will, braucht sie hierauf eine Antwort. Doch nicht einmal bei der Parteijugend wirkt das Vorhaben einer programmatische Erneuerung verführerisch. In der JU geriert man sich seit Langem sehr konservativ. Wer Beifall will, muss gegen Grüne losledern und nichts von Frauenquoten halten. Der Einwurf, dass es mit Angela Merkel, Ursula von der Leyen und Annegret Kramp-Karrenbauer doch drei Frauen in Spitzenämter geschafft haben, ist berechtigt. Aber Merkel zieht sich zurück. Von der Leyen ist in Brüssel weit weg. Und Kramp-Karrenbauer als CDU-Vorsitzende gescheitert - nicht ohne eigene Schuld, aber auch weil Parteikollegen sie ins Leere laufen ließen. Damit Frauen in Führungsämter aufsteigen, sind Männer nötig, die das zulassen. Wo sind sie also, die Männer, die man respektiert, weil sie ihre Verantwortung Ernst nehmen? Wo sind die ihrer selbst gewissen Männer? Denn nur wer sich selbst gewiss ist, muss andere nicht fürchten. Womöglich ist das die Erklärung für die Misere der CDU: Die konservativen Unionsmänner haben Angst. Angst vor den Frauen.

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